Mentale Stärke einfach und praxisgerecht – 10 Expertentipps (Teil 4 von 24)

Schon während der Heimfahrt erklärten mir meine Eltern sinngemäß unisono, dass sie jede meiner Entscheidungen, was meine Tenniszukunft anging, akzeptieren würden. Sie wünschten sich im Endeffekt „nur“, dass ich glücklich war. Selbst wenn, ich den Sport aufgeben wollte, wäre dies für sie grundsätzlich absolut kein Problem. Einerseits fühlte ich zwar augenblicklich, wie ein immenser innerer Druck, den ich vorher bewusst offensichtlich kaum wahrgenommen hatte, von mir wich … doch andererseits … Nein! Einfach so alles hinzuschmeißen und aufzugeben … das war auch nicht ich! Beim schweigsamen, gemeinsamen Abendessen keimte plötzlich ein rettender Gedanke in mir, der mich spontan und hoffnungsvoll lächeln ließ. Postwendend fragte ich meine Mutter: »Meinst du, wir sollten uns doch an Volker wenden?«. Mama wusste sofort, wer gemeint war. Der Sportpsychologe hatte sich uns im Tennis-Club im Frühjahr vorgestellt und seine Hilfe angeboten … »… falls es im Bereich der mentalen Stärke einmal Optimierungsbedarf geben sollte …«, wie er meinte. Dabei betonte der selbst aktive Hobbytennisspieler, er würde selbstverständlich auch Nachwuchsspielerinnen und -Spieler regelmäßig betreuen. Damals bestand für uns quasi „kein Bedarf“. Meine Mutter zögerte nicht lange, und schrieb noch am selben Abend eine E-Mail-Nachricht – seine Visitenkarte hatte sie aufbewahrt. In der Folgewoche fanden wir uns in Volkers Praxis zu einem Beratungstermin ein.

Spaß statt Druck, die „Mentaltrainingslösung“ und der Weg ins Sportgymnasium …

Bereits beim ersten Treffen erklärte uns der Sportpsychologe seine Vorgehensweise, die ich, quasi in Anlehnung an die Überschrift dieser Artikelserie, als „individuell, einfach und praxisgerecht“ beschreiben würde. Auch erläuterte er uns, dass die mentale Konditionierung sich üblicherweise nicht „nur“ in sportlicher Hinsicht positiv auswirken würde, sondern dass davon, seiner Erfahrung nach, oftmals zahlreiche Lebensbereiche profitierten. Als allerersten Schritt empfahl er mir eine mehrwöchige Turnierpause, in der ich auch die Intensität und den Umfang des Tennistrainings reduzieren, und stattdessen auf Alternativsportarten setzen sollte. Ziel des Vorgehens war, den Spaß am Tennisspiel quasi „von Grund auf“ wiederzuentdecken und dem Druck fürs Erste „Lebewohl“ zu sagen. Der Vorschlag erschien mir intuitiv absolut stimmig mit dem, was ich ohnehin in mir fühlte – ich brauchte einfach wieder ein wenig Abstand und „spielerische Lockerheit“. Mein Trainer und meine Eltern stimmten ebenfalls mit Volkers Strategie überein und zogen sozusagen mit mir an einem Strang. So spielte ich in den kommenden fünf Wochen nur noch maximal zwei-dreimal pro Woche mit meiner Mutter und schlug einige Übungsbälle mit Papa … „just for fun“. Die restlichen Tage nutzte ich vor allem, um mit meiner durch und durch sportbegeisterten Freundin Sabine primär im Fitnessparcours Dornbirn und im „Stadtbad“ quasi „Freestyle“ zu trainieren. Auch das sporadische Klettern und Bouldern in der K1 Kletterhalle bereitete mir, genau wie die Wanderungen mit der Familie am Wochenende, mächtig Spaß. Darüber hinaus beinhaltete mein Terminkalender der kommenden zweieinhalb Monate üblicherweise einen „Volker-Termin“ pro Woche, der mit mir Schritt für Schritt eine, aus meiner Sicht hocheffektive sowie „einfach-praxisgerechte“ Mentaltrainingslösung erarbeitete. Mehr dazu erfahren Sie in den folgenden Kolumnenteilen – vor allem freilich in den 10 Expertentipps, die Sie noch erwarten. Die Sache sollte sich jedoch, noch bevor sie im Tennis „fruchtete“ auch für meine Aufnahmeprüfung ins Sportgymnasium Dornbirn, als „Goldwertfaktor“ erweisen. Ich bin absolut überzeugt, dass meine multisportiven Wochen, gepaart mit den allerersten, in der „realen Praxis“ angewendeten Mentaltrainingstechniken, mir maßgeblich zu einem erfolgreichen Meistern dieser Einstiegshürde in DIE aus meiner Sicht ideale „Sportzukunftsschule“ verhalfen.

Mentale Stärke … auch für die schulischen Leistungen und die persönliche Entwicklung …

Was nun die Auswirkungen meiner, sich zunehmend steigernden mentalen Stärke in anderen Lebensbereichen, als dem sportlichen Einsatzfeld betraf: Was Volker meiner Mutter und mir schon beim allerersten Termin prophezeit, hatte, traf zweifelsohne ein. Sowohl bei mündlichen schulischen Prüfungen und Schularbeiten als auch in Alltagssituationen, die mich, was meine „innere Stärke“ anging, forderten, wurde ich nach und nach souveräner. Auch mein persönliches Umfeld, allen voran meine Eltern bemerkten definitiv, dass ich insgesamt, also auch im Alltag, selbstbewusster wurde und sprachen von einem „Entwicklungsschub“ in meiner Persönlichkeit. Ich war offensichtlich innerhalb weniger Monate sozusagen „mental gestärkt“ reifer geworden. Mein sportliches Comeback beim ersten Tennisturnier folgte im Anschluss an eine Aufbautrainingsperiode, die ich den vorhin erwähnten, „lockeren Freestyle-Trainingswochen“ folgen ließ. Gemeinsam mit Volker hatte ich dabei gezielt daran gearbeitet, auch was meine Einstellung anging, quasi wieder zurück in meine unbeschwerten Anfänge als Turnierspielerin zu finden. Also à la „Kids“ Kategoriestart 2005 »… spiel’ einfach so wie immer und schau was passiert – viel Spaß!«.

Per „gesundem Gleichgewicht“ in die goldenen Jahre der Tenniskarriere …

Zugegeben: Ganz so „locker“ wie damals war es mittlerweile insgesamt nicht mehr. Dennoch gelang es mir, die Freude am Sport und den sportlichen Ehrgeiz in ein sprichwörtlich „gesundes Gleichgewicht“ zu bringen – freilich auch dank Volkers Mentaltrainingstechniken. Im Endeffekt begannen, retrospektiv betrachtet, ab Anfang 2009 sozusagen die „goldenen Jahre“ meiner Tenniskarriere. Auch an dieser Stelle ist Erfolgsprahlerei, nicht mein Ding. Summasummarum kann ich jedoch sicherlich auf eine äußerst zufriedenstellende Karriere als Jugendtennisspielerin zurückblicken. Ich schaffte es, sowohl in der U16, als auch der U18 Kategorie in den Nachwuchskader und war nicht nur österreichweit, sondern auch international, nach meinen Maßstäben und den Erwartungen meines Umfelds, definitiv erfolgreich.

Vom Wachstumsschub über „Asse“ zu Schulterproblemen …

Obwohl ich mich somit freilich primär aufs Tennis fokussierte, behielt ich mir übrigens stets eine gewisse multisportive Ebene bei – die anderen Sportarten bereiteten mir ganz einfach weiterhin ebenfalls riesig Spaß! Doch um bei der soeben beschriebenen Karriere als Nachwuchsspielerin zu bleiben: Von diesbezüglich strategischer Bedeutung war zweifelsohne ein ordentlicher Wachstumsschub, der mich körperlich vor allem 2011 und 2012 nicht nur größer, sondern auch deutlich stärker werden ließ. Zudem absolvierte ich im 2012er-Winter erstmals ein spezifisches Krafttraining, wovon insbesondere mein Aufschlag profitierte. Regelmäßig gelangen mir ab jener Zeit selbst bei Turnieren sogenannte „Asse“. Kurz erklärt: Ein „Ass“ bedeutet im Tennis ein Aufschlag, bei dem meine Gegnerin den Ball nicht einmal berührt. Ein Betreuer meinte bei einem internationalen Vergleichskampf, ich hätte darin außerordentliches Talent und könnte diese Fähigkeit eventuell sogar auf Weltklasseniveau weiterentwickeln. De facto motivierte mich sein Kommentar unheimlich, ein zusätzliches, spezielles Aufschlagtraining in meine Trainingswoche zu integrieren. Das Resultat war, dass ich mich abermals erheblich steigerte – meiner schlaghandseitigen, rechten Schulter gefiel die Angelegenheit offensichtlich weniger. Immer öfter plagten mich während und nach dem Training Schmerzen und war das Gelenk erst einmal „beleidigt“, wie ich zu sagen pflegte, bereiteten mir selbst Alltagsaktivitäten wie Fahrradfahren Beschwerden. Mein Hausarzt, den ich, auf Anraten meines Trainers und meiner Mutter aufsuchte, verordnete physiotherapeutische Behandlungen. Definitiv besserte sich dadurch die Sache. Ich war aber oftmals, durch mein insgesamt ereignisreiches Teenagerleben, zugegeben recht nachlässig bei der akribischen und konsequenten Durchführung der Theraband-Übungen. Das Tennistraining, das nächste Turnier, mein damaliger Freund und die Freundinnen … alles andere war mir üblicherweise wichtiger als mein „langweiliges Ausgleichstraining“. Und so kamen auch die Schulterschmerzen regelmäßig zurück …

Die Fortsetzung folgt in Kürze im Teil fünf dieser Berichterstattung.

Die Teams der Stadtapotheke Dornbirn und der Vitalis Austria

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Veröffentlicht / zuletzt aktualisiert im November 2021
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