Mentale Stärke einfach und praxisgerecht – 10 Expertentipps (Teil 5 von 24)

Was meine „Dauerproblemschulter“, wie ich sie damals schon nannte, fürs Erste beruhigte, war eine gut dreiwöchige Übergangsperiode im Sommer 2013, während derer Aktiverholung auf dem Programm stand. Neben der Pause wohl auch zusätzlich dadurch bedingt, dass ich das Theraband regelmäßig ins Waldbad Enz mitnahm und dort in aller Ruhe mein Ausgleichstraining absolvierte, merkte ich insgesamt eine deutliche Verbesserung der „Schultergesamtsituation“. Darüber hinaus feierte ich meinen 18. Geburtstag. Das folgende Maturajahr entpuppte sich ebenfalls quasi als „Geschenk“ für das empfindliche Gelenk. Der Matura galt der priorisierte Fokus und obwohl mir auch internationale Startmöglichkeiten bei Turnieren zustanden, entschied ich mich vor allem für die regionalen und nationalen Wettkämpfe und „stutzte“ gemeinsam mit meinem Trainer auch den Trainingsplan. Wir fokussierten uns primär auf die „essenziellen“ Einheiten und arbeiteten nebenbei an meinen Schwächen. Für den ohnehin „sehr starken Aufschlag“, wie auch er ihn lobte, standen nur äußerst selten separate Trainingseinheiten auf dem Programm. Zudem setzte ich in dieser Zeit erneut auf Volker. Definitiv konnte er mir mit weiteren „Mentaltrainingslösungen“ zusätzliche Techniken an die Hand geben, die mir einerseits schulisch – andererseits auch bei den wenigen Turnieren, die ich umso konzentrierter und freilich erfolgreicher bewältigen wollte, halfen. Fazit: durchwegs zufriedenstellende Monate – sowohl was die Matura als auch den Leistungssport anging.

Von der Matura ins Tennisprofidasein der „Großen“?

Was mir jedoch bei den zwei internationalen Turnieren, an denen ich während dieser Zeitspanne dennoch teilgenommen hatte, absolut klar wurde: Bei den „Großen“, respektive den Erwachsenenranglisten war ein komplett anderes Niveau gefragt, als in den Nachwuchskategorien, um auch nur einigermaßen vorne mitzumischen. De facto musste ich mittelfristig, um mich dort zu etablieren, ein grundlegend höheres Leistungslevel erreichen! Die konsequenteste Lösung lag für mich auf der Hand: das Tennisprofidasein. Ich hatte diese Zukunftsoption mit meinen Eltern, dem Trainer und diversen Tennisexperten aus meinem Umfeld bereits im Winter durchdiskutiert. Ein Gros der in die diesbezüglichen Gespräche Involvierten zeigte sich aber zumindest vorsichtig zurückhaltend, wenn nicht sogar kritisch, was ich aus heutiger Sicht besser denn je verstehen kann. Mein Talent und die bisherige Ausbeute meiner erwähnten, „goldenen Jahre“ in allen Ehren … die Weltspitze blieb nun einmal dennoch wenigen „Auserwählten“ vorbehalten. Was die „Stimmung im Team“ jedoch enorm beflügelte, war ein überraschend, überdurchschnittlich erfolgreiches Abschneiden bei einem internationalen Tennisevent, kurz nach der absolvierten Matura. Selbst mein Vater, zuvor definitiv eher bei den „vorsichtigen Kritikern“, meinte nun schlussendlich doch: »Studieren oder arbeiten kannst du noch lange … DIE Chance hast du vielleicht nur jetzt. Also meine Unterstützung ist dir sicher … schau einfach, wie weit du es nach vorne schaffst!«. Allerdings möchte ich anmerken, dass wir uns vorher auf ein „Ein-Jahres-Limit“ geeinigt hatten, nach dessen Erfolgsbilanzanalyse wir erneut über mein mögliches Zukunftspotenzial und eine eventuelle „Verlängerung“ meines Profi-Status beraten und entscheiden würden.

Profiturniererfolg, sportwissenschaftliches Training und … die endgültige „Dauerproblemschulter“ …

Da bereits wenige Wochen später ein weiteres, internationales Turnier anstand, beschlossen wir fürs Erste, meinen insgesamt nach wie vor reduzierten Trainingsplan im Großen und Ganzen beizubehalten. Mein Trainer wollte sicherstellen, dass ich vollständig regeneriert antrete. Das Vorhaben glückte – und wie! Kurz vor meinem 19. Geburtstag machte ich mir selbst mein größtes Geschenk: Erneut erzielte ich auf einem „großen“ Tennisevent ein, für meine Maßstäbe, absolut respektables Resultat. Die regionale Presse bezeichnete mich sogar als „Shootingstar“ und schrieb von einem ersten „Profiturniererfolg“. Zweifelsohne sah ich mich nun voll in meinem Element! Ich konnte es kaum erwarten, endgültig meinen „Profi-Trainingsplan“, wie ich ihn benannt hatte, in die Tat umzusetzen. Gleich zwei Trainer hatten an dem komplexen sportwissenschaftlich ausgefinkelten Trainingskonzept, das unter anderem eine gezielte Periodisierungsstrategie beinhaltete, mitgearbeitet. Allerdings machte sich schon in den allerersten, äußerst umfangreichen Wochen meine „Problemschulter“, die sich bislang, wie beschrieben, ein gutes Jahr dezent zurückgehalten hatte – nur sporadisch hatte ich ab und zu ein „Zwicken“ gespürt – wieder schmerzhaft bemerkbar. Glücklicherweise bekam ich die Sache durch forciertes Ausgleichstraining in erster Instanz in den Griff. Die Eskalation folgte aber wenige Trainingswochen später, als „Vorbereitungsperiode II“, die unter anderem ein gezieltes Aufschlagtraining und ein spezielles Krafttraining integrierte, sprichwörtlich „in Kraft trat“. Klar wollte ich auch bei den „Profis“ mein diesbezügliches, „außerordentliches Aufschlagtalent“, welches mir damals der Betreuer prophezeit hatte, im Idealfall sogar auf Weltklasseniveau weiterentwickeln und mit „Assen“ aufzeigen. Definitiv hatte ich die Rechnung eindeutig ohne meine Schulter gemacht. Diese schmerzte zuerst „nur“ während und nach dem Training – bald drohte sich die Sache jedoch quasi beinahe zum unerträglichen „Rund-um-die-Uhr-Zustand“ zu entwickeln … die „Dauerproblemschulter“ war wohl endgültig wieder „aufgewacht“!

Erneut physiotherapeutische Behandlungen und ein „augenöffnendes“ Trainingslager …

Erneut verschrieb mir der Hausarzt physiotherapeutische Behandlungen und bat mich inständig, meine Trainingsstrategie zu überdenken. Einerseits wusste ich, dass er absolut recht hatte – meine Schulter brauchte Pause. Andererseits stand jedoch auch fest: Von einem „echten“ Profiniveau, wie ich es in den vergangenen Monaten geplant hatte, und das mir irgendwann lukrative Sponsorenverträge und regelmäßige Preisgeldeinkünfte einbringen sollte, die für einen entsprechenden Lebensstandard ausreichten, war ich meilenweit entfernt. Daran änderten freilich auch meine initialen Sommererfolge nichts. Und mit der momentanen Belastbarkeit oder besser Nichttrainierbarkeit distanzierte ich mich von Woche zu Woche weiter von diesem Topniveau, das nun einmal bei den „Großen“ gefordert war. Die Therapien brachten erneut eine gewisse Linderung – auch eine 10-tägige Zwangspause, die mir mein Trainer und mein Umfeld quasi „verordneten“, zeigte Wirkung. Allerdings schien es diesmal, im Gegensatz zu vor nicht ganz zwei Jahren, dass das Gelenk wesentlich rascher wieder „beleidigt“ war, sowie ich mein „normales“ Training laut Trainingsplan aufs neue aufnahm – das Worst-Case-Szenario war mein „Ass-Aufschlagtraining“, wie ich diese Workouts nannte. Selbst das penibel ausgeführte Theraband-Ausgleichstraining änderte daran wenig. Der einzige Lichtblick in jener Zeit war, dass ich, um das „zu viel an Profizeit“ einigermaßen sinnvoll zu nutzen, ehrenamtlich anfing, als Nachwuchstrainerin aktiv zu werden. Die Sache machte mir auf Anhieb unheimlichen Spaß und ich merkte, dass ich mich in dieser Materie definitiv „zuhause“ fühlte. Zu einem echten „augenöffnenden“ Schlüsselerlebnis wurde aber ein Trainingslager auf Lanzarote, das wir im Sommer bereits in meine Trainingsplanung aufgenommen und gebucht hatten und das ich mit meinem Trainer und zwei anderen Spielerinnen absolvierte. Erstmals erlebte ich nämlich, quasi „live“ und aus nächster Nähe, was es überhaupt bedeutete, Berufssportler in den Kategorien der Erwachsenen zu sein …

Der sechste Teil dieser Artikelserie erwartet Sie in Kürze hier.

Die Teams der Stadtapotheke Dornbirn und der Vitalis Austria

Zurück zur Startseite


Veröffentlicht / zuletzt aktualisiert im November 2021
Beachten Sie die rechtlichen Hinweise für die auf dieser Webseite veröffentlichten Informationen!